Gefahrstoffeinsatz in Wiesbaden-Biebrich

2.11.2026 – Ein umfangreicher Gefahrstoffeinsatz hat am Montag, 2. November, Feuerwehr und Rettungsdienst der Landeshauptstadt Wiesbaden über mehrere Stunden beschäftigt. In der Bernhard-May-Straße im Stadtteil Biebrich waren insgesamt fünf Personen von einem möglichen Kontakt mit einem bislang unbekannten Stoff betroffen. Zwei Personen klagten über Haut- und Augenreizungen und wurden zur weiteren medizinischen Versorgung in Krankenhäuser transportiert. Ihre Beschwerden sind inzwischen deutlich rückläufig.

Ausgangspunkt des Einsatzes waren Arbeiten eines Mitarbeiters eines Energieversorgungsunternehmens an einer Stromzuleitung im Keller eines Gebäudes. Während der Arbeiten bemerkte der Mitarbeiter einen ungewöhnlichen Geruch und entwickelte erste gesundheitliche Beschwerden. Da er zunächst einen möglichen Gasaustritt vermutete, zog er einen Kollegen aus dem Bereich der Gasversorgung hinzu. Auch dieser nahm einen auffälligen Geruch wahr, konnte jedoch bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr einen Erdgasaustritt ausschließen. Da die Ursache des ungewöhnlichen Geruchs weiterhin unklar war, verständigte er über den Notruf die Feuerwehr.

Die alarmierten Einsatzkräfte leiteten umgehend alle erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ein. Hierzu gehörten die Absicherung des betroffenen Bereichs sowie umfangreiche Erkundungs- und Messmaßnahmen.

Aufgrund der zunächst unklaren Stofflage wurde das Einsatzstichwort im weiteren Verlauf erhöht und ein Großaufgebot an Einsatzkräften nachalarmiert. Die Feuerwehr Wiesbaden richtete eine umfassende Einsatzleitung ein, die durch eine Führungsstaffel mit einem Einsatzleitwagen 2 unterstützt wurde. Zur strukturierten Abarbeitung der Lage wurden mehrere Einsatzabschnitte eingerichtet, darunter die Bereiche Gefahrenabwehr, Messen, Dekontamination und medizinische Versorgung.

Mehrere speziell ausgerüstete Trupps erkundeten das betroffene Gelände und angrenzende Gebäudebereiche. Hierbei kamen neben Atemschutzgeräten auch Chemikalienschutzanzüge und unterschiedliche Messgeräte zum Einsatz. Unterstützung erhielt die Feuerwehr Wiesbaden durch die Werkfeuerwehr InfraServ sowie die US-Flughafenfeuerwehr Wiesbaden-Erbenheim, die mit zusätzlicher Messtechnik und spezialisierten Einsatzkräften vor Ort waren.

Im Verlauf der umfangreichen Messungen ergaben sich Hinweise auf das mögliche Vorhandensein chemischer Stoffe, die aufgrund ihrer Eigenschaften als leicht flüchtig einzustufen sein könnten. Eine eindeutige Identifizierung war mit den vor Ort verfügbaren Messverfahren zunächst nicht möglich. Daher wurden zusätzliche Spezialkräfte zur weitergehenden Analyse hinzugezogen. Hierzu gehörte auch die Analytische Task Force der Feuerwehr Mannheim, die zusätzliche Messungen und Probenahmen durchführte.

Detaillierte Ergebnisse der chemischen Analysen werden in den kommenden Tagen erwartet. Auf Grundlage der Ergebnisse wird die zuständige Behörde gemeinsam mit dem Eigentümer die erforderlichen weiteren Maßnahmen in die Wege leiten. Unabhängig davon bestand nach den Erkenntnissen der Einsatzkräfte zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung. Eine relevante Ausbreitung über den betroffenen Bereich hinaus wurde nicht festgestellt.

Parallel zu den Maßnahmen der Feuerwehr übernahm der Rettungsdienst die medizinische Versorgung der beiden Personen mit gesundheitlichen Beschwerden. Drei weitere Personen, die sich im Umfeld des Gebäudes aufgehalten hatten, wurden vorsorglich in die Maßnahmen einbezogen. Die rettungsdienstlichen Maßnahmen wurden durch eine Einsatzleitung Rettungsdienst mit einer Leitenden Notärztin und einem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst koordiniert. Aufgrund der zunächst unbekannten Substanz wurden besondere Schutzmaßnahmen bei der Versorgung und Aufnahme der Patienten berücksichtigt.

Die umfangreichen Einsatzmaßnahmen führten zu Verkehrsbehinderungen. Der Bereich rund um die Bernhard-May-Straße wurde für die Dauer des Einsatzes großräumig abgesperrt. Die Absperrmaßnahmen wurden zeitweise durch die Polizei und die Stadtpolizei unterstützt. Die Absperrung diente der sicheren Durchführung der Einsatzmaßnahmen und war nicht auf eine Gefährdung der umliegenden Bevölkerung zurückzuführen.

Nach Abschluss der erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sowie der umfangreichen Erkundungs- und Messarbeiten konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr schrittweise zurückgenommen werden. Gegen 18.56 Uhr verließen die letzten Kräfte der Feuerwehr die Einsatzstelle. Diese wurde an den Betreiber sowie zur weiteren Sicherung an die Polizei übergeben.

Die Feuerwehr Wiesbaden hat sämtliche aus der zunächst unklaren Lage erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eingeleitet und durchgeführt. Die abschließende Bewertung der chemischen Messergebnisse bleibt den noch ausstehenden Untersuchungen vorbehalten.

Quelle: Feuerwehr der Landeshauptstadt Wiesbaden.