Neue Forschungserkenntnisse zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte aus dem Projekt SAGRE

28.10.2026 – Mit dem Abschlusssymposium im Projekt SAGRE werden die Erkenntnisse zum Themenfeld Gewalt gegen nichtpolizeiliche Einsatzkräfte sowie daraus entwickelten Handlungsempfehlungen als Querschnitt aus Forschung und Praxis einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

In den letzten zwei Jahren hat sich ein Forschungsprojekt der Berliner Feuerwehr, Stab Forschungsprojekte, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement, sowie dem Bayerischen Roten Kreuz, Landesgeschäftsstelle München, aus verschiedenen Blickwinkeln mit den Hintergründen und Auswirkungen von Aggression und Gewalt gegen Rettungs- und Einsatzkräfte beschäftigt. Im Rahmen eines Abschlusssymposiums, eingeleitet durch den ständigen Vertreter des Landesbranddirektors der Berliner Feuerwehr, Per Kleist, wurden die gesammelten Erkenntnisse und neu entwickelten Handlungsempfehlungen heute Expertinnen und Experten von verschiedenen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie Forschungseinrichtungen präsentiert. Damit soll der Schutz von Rettungs- und Einsatzkräften sowie die Handlungsfähigkeit der Freiwilligen und Berufsfeuerwehren sowie Hilfsorganisationen langfristig gestärkt werden.

Die Leiterin des Forschungsbereichs der Berliner Feuerwehr, Dr. Rebecca Prell, stellte die Ergebnisse einer bundesweiten Befragung von Betroffenen vor. Die strukturellen Hintergründe und Situationsdynamiken, die zu Gewalt führen, wurden mit qualitativ erhobenen Daten von Prof. Dr. Daniela Hunold, Professorin für Soziologie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, erläutertet. Michaela Selzer, Projektleiterin in der Forschungsabteilung des Bayerischen Roten Kreuzes, verwies auf ein Kernergebnis des Vorhabens: Eine Vielzahl an datenbasierten Handlungsempfehlungen für die betroffenen Organisationen, involvierte Einsatz- und Führungskräfte, sowie weitere relevante Behörden und politische Institutionen stehen frei nutzbar zur Verfügung. Durch den im Projekt eingenommenen 360°-Blick wurden außerdem systematisch Forschungsdesiderate abgeleitet. Ergänzt wurden die Ergebnisdarstellungen mit Keynotes aus Forschung und Praxis: Prof. Dr. Oberwittler präsentierte Hintergründe aus der sozialräumlichen Kriminalitäts- und Jugendforschung und ging besonders auf die aktuellen Bedingungen der gesellschaftlichen Integration von Jugendlichen ein. Ein Kiezbeauftragter der Berliner Feuerwehr, Christian-Marc Hans, beschrieb das Vorgehen der gewaltpräventiven Kiezprojekte, mit denen Einsatzkräfte der Feuerwehr den direkten Austausch mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der Nachbarschaft suchen.

Zu den zentralen Erkenntnissen gehört, dass die Einsatzkräfte in Deutschland eine teils breite Definition davon haben, was Gewalt eigentlich ist. Diese weicht mitunter davon ab, was juristisch nachverfolgbar ist. Am häufigsten erlebt werden verbale Anfeindungen sowie Sachbeschädigung oder die Behinderung der Arbeit, z.B. durch andere Verkehrsteilnehmende. Kollektive und zielgerichtete Gewalt, wie sie sich z.B. Silvester 2022/23 in Berlin ereignet hat, bleibt jedoch ein Ausnahmeereignis und entspricht nicht der wiederkehrenden medialen Darstellung zu diesem Phänomen. Meldesysteme werden von den Mitarbeitenden nicht regelmäßig genutzt, da Einsatzkräfte den Eindruck haben, eine Meldung hätte keine Konsequenzen. Sowohl administrative Hürden als auch fehlendes juristisches Wissen sind weitere Hinderungsgründe, wodurch es in den Organisationen kaum belastbare, vergleichbare Zahlen gibt. Letztendlich lassen sich verschiedene Einflussfaktoren für Gewalt gegen Einsatzkräfte der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr und Rettungskräfte ableiten, welche sich in gesellschaftlichen, organisationalen sowie situativen Bedingungen verorten lassen.

SAGRE (Schutz vor Aggression und Gewalt für Rettungs- und Einsatzkräfte der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr) wird im Zuge der Bekanntmachung „Anwender – Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit II“ im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit 2018 bis 2023“ der Bundesregierung gefördert. Alle Hintergründe und Veröffentlichungen des Projektes können auf projekt-sagre.de eingesehen werden. Hinzu kommt ab Januar 2027 ein abschließendes Kompendium, in dem alle zentralen Handlungsempfehlungen zusammengefasst werden.

Quelle: Pressestelle, Berliner Feuerwehr